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Klinikum

Standortfrage Zentralklinikum: Unsere Einschätzung nach Bevölkerung, Wegen und Bahn

Wo könnte ein mögliches neues Zentralklinikum für den Landkreis Elbe-Elster stehen? Diese Frage bewegt derzeit viele Menschen im Kreis. Die Standortanalyse der BTU Cottbus-Senftenberg liegt inzwischen vor, ist aber nicht öffentlich. Wir haben uns deshalb selbst ein Bild gemacht – anhand von Entfernungen, Fahrzeiten, Bahnanbindung und der Bevölkerungsentwicklung bis 2040. Unsere Einschätzung werden wir in die weitere Diskussion einbringen.

Wie es zur aktuellen Situation kam

Die BTU Cottbus-Senftenberg hat ihre Standortanalyse bereits im November 2025 abgeschlossen. Der frühere Landrat Jaschinski (CDU) und der ehemalige Geschäftsführer des Klinikums haben dem Kreistag jedoch weder die Studie noch eine Beschlussvorlage für einen möglichen Standort vorgelegt - es ist also unnötig Zeit verstrichen.

In der letzten Sitzung des Kreistages brachte die CDU-Fraktion eine Vorlage ein, nach der der Landrat alle Schritte zur Sicherung eines Grundstücks einleiten sollte. Zu diesem Zeitpunkt lagen uns jedoch keinerlei Informationen zur Studie und zum darin favorisierten Standort vor. Über eine Grundstückssicherung zu entscheiden, ohne die Grundlagen zu kennen, war für uns nicht verantwortbar.

Wir haben deshalb als Fraktion Unabhängige Bürger Elbe-Elster einen Änderungsantrag eingebracht: Zuerst sollte die BTU ihre Analyse im Kreisausschuss vorstellen, erst danach sollte dem Kreistag eine Standortempfehlung zugeleitet werden. Genau so ist es nun geschehen. Die Analyse selbst ist nichtöffentlich – die Diskussion um den Standort geht aber verständlicherweise weiter.

Unsere eigene Auswertung

Um uns eine fundierte Meinung zu bilden, haben wir öffentlich verfügbare amtliche Daten zusammengetragen und in einer Karte aufbereitet. Sie zeigt die drei bestehenden Standorte des Elbe-Elster Klinikums, die Krankenhäuser in den Nachbarkreisen, die Bahnstrecken mit Personenverkehr sowie die Einwohnerzahlen und die erwartete Bevölkerungsentwicklung in allen Teilen des Kreises.

Interaktive Karte: Ein Klick auf eine Gemeinde zeigt Einwohnerzahl und Prognose, ein Klick auf ein Krankenhaus die Adresse. Ebenen lassen sich unten links ein- und ausblenden. Karte im Vollbild öffnen →

Wo die Menschen im Landkreis leben

97.017Einwohner am 31.12.2025
−950Einwohner gegenüber dem Vorjahr
56 %leben in nur sechs Städten

Ende 2025 lebten im Landkreis Elbe-Elster 97.017 Menschen, 950 weniger als ein Jahr zuvor. Mehr als die Hälfte davon wohnt in sechs Städten: Finsterwalde (15.488), Bad Liebenwerda (8.835), Herzberg (8.753), Doberlug-Kirchhain (8.117), Elsterwerda (7.592) und Falkenberg/Elster (6.036).

Der mit Abstand bevölkerungsreichste Teil des Kreises ist der Osten: In Finsterwalde, Doberlug-Kirchhain, Sonnewalde sowie den Ämtern Kleine Elster und Elsterland leben zusammen rund 36.000 Menschen – mehr als ein Drittel aller Einwohner. Der Norden um Schlieben und Schönewalde ist dagegen sehr dünn besiedelt.

Die Prognose: kleiner, aber älter

Die amtliche Bevölkerungsvorausberechnung erwartet für unseren Landkreis bis 2040 einen Rückgang von 98.750 (2023) auf 86.069 Einwohner – ein Minus von 12,8 Prozent. Gleichzeitig steigt die Zahl der Menschen ab 65 Jahren von 29.816 auf 30.796. Ihr Anteil wächst von rund 30 auf knapp 36 Prozent. Weniger Einwohner bedeutet also nicht weniger Bedarf an medizinischer Versorgung – im Gegenteil: Gerade ältere Menschen sind auf kurze Wege und eine gute Erreichbarkeit angewiesen.

Innerhalb des Kreises verläuft die Entwicklung sehr unterschiedlich:

Amt / Gemeinde20232040Veränderung
Amt Schlieben5.1244.707−8,1 %
Röderland3.6643.361−8,3 %
Sonnewalde3.1762.896−8,8 %
Finsterwalde15.69014.204−9,5 %
Elsterwerda7.7366.960−10,0 %
Schönewalde2.9262.579−11,8 %
Amt Kleine Elster (Niederlausitz)5.3334.662−12,6 %
Verbandsgemeinde Liebenwerda23.42420.405−12,9 %
Amt Elsterland4.3263.737−13,6 %
Herzberg (Elster)8.7207.506−13,9 %
Amt Schradenland4.3093.710−13,9 %
Doberlug-Kirchhain8.4256.830−18,9 %
Amt Plessa5.8974.512−23,5 %
Landkreis Elbe-Elster98.75086.069−12,8 %

Finsterwalde ist mit Abstand die größte Stadt des Kreises und verliert unter den größeren Städten am wenigsten Einwohner. Auch 2040 wird hier nach der Prognose noch jeder sechste Einwohner des Landkreises leben.

Drei Standorte, die ihre Regionen gut versorgen

Für uns gilt nach wie vor: Die drei vorhandenen Standorte in Finsterwalde, Herzberg und Elsterwerda sind bestmöglich platziert. Sie liegen in den Siedlungsschwerpunkten des Kreises und stellen die Versorgung in einem angemessenen Zeitrahmen sicher. Zum Vergleich die Fahrstrecken zu den nächsten Krankenhäusern in den Nachbarkreisen:

VerbindungStreckeFahrzeit
Herzberg – Torgau24,8 kmca. 26 min
Elsterwerda – Riesa34,0 kmca. 44 min
Finsterwalde – Senftenberg30,9 kmca. 35 min
Finsterwalde – Luckau30,1 kmca. 33 min

Leider haben die politischen Akteure in den vergangenen Jahren den Bestandshäusern kaum eine Chance eingeräumt und einzig und allein auf einen Klinikneubau gesetzt. Dabei ging es uns nie darum, die Häuser im Status quo zu erhalten. Wir wollten und wollen eine Weiterentwicklung der Standorte – mit klarer Spezialisierung und ohne unnötige und kostenintensive Doppelstrukturen.

Auch heute muss die Frage erlaubt sein, ob ein unter Kostengesichtspunkten unsicherer Neubau wirklich die bessere Lösung ist als die Weiterentwicklung eines bestehenden Hauses. Eines steht für uns außer Zweifel: Fallen mindestens zwei der drei Häuser weg, verschlechtern sich Versorgung und Erreichbarkeit für den Großteil der Einwohnerinnen und Einwohner.

Ein Gedankenspiel: Finsterwalde statt Neubau

Eine Weiterentwicklung der Bestandshäuser wird bisher mit dem Argument abgelehnt, sie werde nicht gefördert. Im Zuge der Transformation werden leider zahlreiche Menschen weitere Wege zurücklegen müssen. Da man die drei bestehenden Krankenhausstandorte aus unserer Sicht aufgegeben hat, muss nun eine Lösung mit den geringsten Nachteilen für die Menschen im Kreis und dem geringsten finanziellen Risiko für den Landkreis gefunden werden. Deshalb unser Gedankenspiel: Wenn es einen zentralen Standort geben soll, muss er dort liegen, wo er die meisten Menschen auf kurzem Weg erreicht – heute und in Zukunft. Schaut man auf Bevölkerungsentwicklung und ÖPNV-Anbindung, wäre aus unserer Sicht das bestehende Krankenhaus in Finsterwalde eine Alternative zu einem unter Kostengesichtspunkten unsicheren Neubau. Es wäre die Option mit dem geringsten finanziellen Risiko und der besten Versorgung in der bevölkerungsreichsten Gegend des Kreises:

  • Bevölkerung: Finsterwalde ist die größte Stadt des Kreises und Mittelpunkt des bevölkerungsreichsten Teilraums mit rund 36.000 Einwohnern.
  • Prognose: Unter den größeren Städten hat Finsterwalde bis 2040 den geringsten erwarteten Bevölkerungsrückgang.
  • Bahn: Finsterwalde liegt an der Strecke Leipzig–Cottbus, der Bahnknoten Doberlug-Kirchhain mit der Strecke Berlin–Dresden liegt nur rund zehn Kilometer entfernt. Patientinnen und Patienten, Besucher und Beschäftigte können das Krankenhaus damit auch ohne Auto erreichen.
  • Fachkräfte: Ein Krankenhaus steht und fällt mit seinen Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften. Wegen des Fachkräftemangels wird das Klinikum künftig vermutlich deutlich mehr Personal von außerhalb des Kreises gewinnen müssen. Diese Menschen brauchen eine gute Anbindung und vertretbare Fahrzeiten. Über die Strecke Leipzig–Cottbus und den nahen Knoten Doberlug-Kirchhain mit Verbindungen Richtung Berlin und Dresden ist Finsterwalde auch für Pendler aus diesen Regionen gut erreichbar.
  • Bestand: Mit dem vorhandenen Krankenhaus gibt es bereits einen funktionierenden Standort, der weiterentwickelt werden kann, statt auf der grünen Wiese neu zu bauen.

Wie gut die Bahnhöfe im Kreis für Pendler aus den umliegenden Großstädten erreichbar sind, zeigt ein Blick in den Fahrplan:

Bahnhofab Cottbusab Leipzigab Berlinab Dresden
Finsterwalde29 min
direkt
72 min
direkt
98 min
1 Umstieg
118 min
2 Umstiege, Bus
Doberlug-Kirchhain36 min
direkt
63 min
direkt
81 min
direkt
92 min
2 Umstiege
Elsterwerda64 min
direkt
79 min
1 Umstieg
81 min
direkt
50 min
1 Umstieg
Herzberg (Elster)87 min
1 Umstieg
88 min
1 Umstieg, Bus
82 min
direkt
142 min
2 Umstiege, Bus
Falkenberg (Elster)55 min
direkt
48 min
direkt
95 min
direkt
117 min
2 Umstiege
Bad Liebenwerda79 min
1 Umstieg
73 min
direkt
127 min
1 Umstieg, Bus
92 min
2 Umstiege, Bus

Schnellste Verbindung ab dem jeweiligen Hauptbahnhof an einem Werktag am Morgen laut Fahrplanauskunft (VBB), Stand Oktober 2026. Ab Dresden ist der Wechsel von der S-Bahn am Hauptbahnhof bzw. Neustadt als Umstieg mitgezählt. Nicht jede Verbindung fährt stündlich. Farbig markiert: die jeweils schnellste Verbindung aus der Stadt.

Eine gute Bahnanbindung allein ist dabei kein Garant für eine stabile Bevölkerungsentwicklung – das zeigt das Beispiel Doberlug-Kirchhain, das trotz Bahnknoten laut Prognose überdurchschnittlich viele Einwohner verliert. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Einwohnerzahl, Prognose, Erreichbarkeit und vorhandener Infrastruktur. In dieser Gesamtbetrachtung schneidet Finsterwalde aus unserer Sicht am besten ab – ohne dass ein Krankenhaus auf der grünen Wiese mit allen finanziellen Unwägbarkeiten neu gebaut werden müsste.

Wie es weitergeht

Wir bringen diese Überlegungen in die Beratungen im Kreisausschuss und im Kreistag ein und warten die Diskussion in den Gremien ab, bevor wir uns festlegen. Für uns ist klar: Wir werden diese Diskussion auf Grundlage von Fakten führen und die tatsächlichen Entwicklungen im Landkreis realistisch einbeziehen. Dabei sind wir offen für andere Argumente und arbeiten gern mit allen zusammen, denen eine gute Krankenhausversorgung im ganzen Kreis am Herzen liegt.

Datengrundlagen

  • Einwohnerzahlen: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Statistische Berichte zum Bevölkerungsstand am 31.12.2024 und 31.12.2025
  • Prognose Landkreis: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg / LBV, Bevölkerungsvorausberechnung für das Land Brandenburg 2024 bis 2040 (Basis 31.12.2023)
  • Prognose Ämter und Gemeinden: Landesamt für Bauen und Verkehr (LBV), Bevölkerungsvorausschätzung 2024 bis 2040, Tabellenanhang, mittlere Variante. Das LBV weist darauf hin, dass die kleinräumigen Ergebnisse den Charakter von Modellrechnungen haben.
  • Kartengrundlage, Bahnstrecken und Standorte: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), Stand 6. Oktober 2026
  • Fahrstrecken und -zeiten: OSRM-Routenplaner auf Basis von OpenStreetMap, Pkw ohne Verkehr
  • Bahnverbindungen: Fahrplanauskunft des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB), abgefragt am 6. Oktober 2026 für Mittwoch, 7. Oktober 2026, Abfahrt ab 6 Uhr, jeweils ab Cottbus Hbf, Leipzig Hbf, Berlin Hbf und Dresden Hbf

Alle Angaben in diesem Beitrag und in der Karte haben wir nach bestem Wissen und Gewissen aus den genannten Quellen zusammengetragen. Die Bewertungen und Schlussfolgerungen geben unsere eigene Meinung als Fraktion wieder.

Hintergrund Elbe-Elster Klinikum: Chronologie und unsere Einschätzungen Was wann entschieden wurde und wo wir nachgehakt haben – alle Stationen im Überblick. Zur Chronik →

Fraktion Unabhängige Bürger Elbe-Elster